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Zuckerrohr statt Holz statt Kohle
Die Niederlande wollen mehr Strom aus Biomasse nutzen. Zuckerabfall aus Brasilien könnte die Energie liefern

Zuckerrohr wird in Brasilien schon lange nicht mehr nur als Lebensmittel angebaut. Lange bevor in Europa flächendeckend E10 angeboten wurde, bekamen Brasilianer Alkohol-Benzin-Gemische und sogar E100, also reines Ethanol an der Zapfsäule. Hergestellt wird Zucker und Alkohol vor allem aus dem Saft des Zuckerrohrs. Was nach dem Auspressen als Reststoff übrigbleibt, ist die sogenannte Bagasse. Aus den energiereichen Pflanzenfasern kann „Second-Generation-Ethanol“ hergestellt werden, bisher geschieht dies aber in sehr kleinem Umfang.

Einen anderen Verwendungszweck erprobt jetzt RWE. Ab 2020 soll das Kraftwerk Amer in den Niederlanden zu 80 Prozent mit Biomasse betrieben werden. Bisher werden dazu Holzpellets aus dem Baltikum importiert, nun werden Bagassepellets aus Brasilien getestet.

Bagasse als grüner Energielieferant

Zu den großen Produzenten von Bio-Ethanol gehört in Brasilien Raízen. Das Unternehmen ist ein Joint Venture des brasilianischen Multikonzerns Cosan und des britisch-niederländischen Mineralölkonzerns Shell.

Im Februar haben sich Vertreter des Essener Energieunternehmens RWE Produktionsanlagen von Raízen westlich von São Paulo angesehen. Der gleichnamige Bundesstaat ist das Zentrum der brasilianischen Zuckerindustrie. Die Region wird seit 150 Jahren als Ackerfläche genutzt. „Von einer Erschöpfung des Bodens durch den Zuckerrohranbau kann also nicht die Rede sein“, sagt RWE-Vorstand Roger Miesen. Damit sei sichergestellt, dass nicht kürzlich extra Wald gerodet wurde, um die Flächen bewirtschaften zu können.

Raízen stellt aus dem Zuckerrohr sowohl Zucker als auch Ethanol her. Die anfallende Bagasse wird zum Teil genutzt, um Strom und Wärme zu erzeugen – vor allem für die eigenen Produktionsanlagen. Doch es bleibt Bagasse übrig, und es könnte noch mehr übrigbleiben, wenn auch ein Teil des Strohs, das nach der Ernte bisher ungenutzt auf den Feldern verbleibt, zur Strom- und Wärmeerzeugung vor Ort eingesetzt würde. Das könnte sich für Raízen lohnen, denn zu Pellets gepresst könnte die Bagasse zum nachhaltigen Exportprodukt werden.

Reststoff mit großem Potenzial

Die Zuckerabfälle als Biomasse zur Stromproduktion zu verwenden, wäre aus Sicht von RWE eine Möglichkeit, eine Kreislaufwirtschaft zu entwickeln, in der das pflanzliche Ausgangsmaterial vollständig genutzt wird, sagt Miesen: „Die Restprodukte werden gegenwärtig nicht oder nicht besonders effizient verwertet. Die Produkte so gut wie möglich zu nutzen, ist in vielerlei Hinsicht gewinnbringend.“

Ein Vorteil von Bagasse ist ihre Verfügbarkeit. Mehrere Millionen Tonnen fallen jährlich alleine in Brasilien an und stünden für den Export zur Verfügung – potenziell zumindest. Denn: Der Weg von den Zuckerrohrfeldern Brasiliens in europäische Kraftwerke ist weit. Und bisher fehlen die Anlagen, um Bagassepellets in großem Stil für den Export zu produzieren.

Damit sie mit Holzpellets konkurrieren können, müssten die Pellets aber vor Ort gepresst werden, und zwar am besten bevor sie an die Küste zum Hafen von Santos transportiert werden. Wenn dieser Prozess einmal reibungslos läuft, heißt es seitens RWE, könnte Bagasse aber auf Dauer preislich mit Holz mithalten.

Projekt Zuckerstrom in der Testphase

Derzeit, heißt es aus der RWE-Zentrale in Essen, befinde sich das Projekt Zuckerstrom in der Testphase – nicht nur hinsichtlich der Logistik. RWE will im Kraftwerk Amer, nahe der niederländischen Gemeinde Geertruidenberg, auch herausfinden, wie sich die Pellets beim Mahlen und Verbrennen verhalten und ob technische Anpassungen erforderlich sind. Dazu werden zunächst 10.000 Tonnen Bagassepellets testweise verfeuert. „Je nachdem, wie die Tests verlaufen“, sagt Miesen, „könnte schnell mehr Bagasse eingesetzt werden.“

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