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LNG-Investitionen 2019 auf Rekord-Niveau
Diversifizierung ist Trumpf: Viele Länder setzen beim Gasimport auf LNG und Pipeline-Gas

Weltweit zieht der Wettbewerb auf dem Gasmarkt an: Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) haben Investoren im Jahr 2019 den Bau von so hohen Verflüssigungskapazitäten beschlossen wie nie zuvor. In den Anlagen wird der Brennstoff auf -160 Grad Celsius heruntergekühlt und auf ein Sechshundertstel seines Volumens reduziert. So kann Erdgas mittels Frachtschiffe transportiert werden und ist nicht auf eine Gasleitungsinfrastruktur angewiesen.

Besonders relevant ist es also im überozeanischen Handel, aber auch auf kürzeren Strecken, wo der Bau einer Pipeline aus technischen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen nicht in Betracht kommt.

LNG statt Pipeline

Die 2019 projektierten Anlagen sollen pro Jahr 96 Milliarden Kubikmeter Erdgas verflüssigen können. Das ist die dreifache Kapazität, der im Jahr 2018 beschlossenen Investitionen. Die weltweite Verflüssigungskapazität von derzeit rund 600 Milliarden Kubikmeter, dürfte also in den kommenden Jahren kräftig wachsen. Und mit ihr die Bedeutung von LNG im globalen Erdgas-Markt.

Beschlossene Ausbaukapazitäten bei endgültiger Investitionsentscheidung

2019 lag die weltweite LNG-Erzeugungskapazität bei rund 600 Milliarden Kubikmeter pro Jahr (Quelle: IEA)

Ausgebaute Verflüssigungskapazität

Lange Zeit spielte LNG eigentlich nur in Ostasien eine größere Rolle. Für die Industriestandorte Japan und Taiwan als Inseln ist es die einzige Möglichkeit, Erdgas in größeren Mengen zu importieren. Das gleiche gilt für Südkorea, das auf der Halbinsel durch Nordkorea vom Festland faktisch abgeschnitten ist. Mittlerweile gehört auch die Volksrepublik China, die viel Wert auf eine Diversifizierung der Lieferländer legt, zu den Großabnehmern. Auf diese vier Länder entfallen mehr als 80 Prozent der globalen LNG-Importe. Doch auch Europa baut verstärkt Anlagen zur Regasifizierung, in denen LNG wieder in Methan umgewandelt wird.

Japan bleibt größter Importeur

Japan, seit Langem größter LNG-Importeur der Welt, bezieht seit mehr als 50 Jahren flüssiges Erdgas. Gespräche mit Russland über eine Pipeline, die Erdgas aus dem äußersten Südosten Sibiriens nach Japan liefern könnte, blieben bisher ergebnislos. Derzeit sieht es eher aus, als würde der russische Export-Monopolist Gazprom seine Kapazitäten zur Verflüssigung von Erdgas in Wladiwostok ausbauen.

Auch deshalb erwarten wohl die Analysten des Londoner Daten- und Informationsdienstes IHS Markit, dass Japan bis mindestens 2022 größter LNG-Importeur bleiben wird – obwohl China, die heutige Nummer zwei, im Monat Dezember 2019 schon einmal mehr Flüssiggas bezog als der kleinere Nachbar.

In Südkorea, dem drittgrößten LNG-Importeur der Welt, fielen die Einfuhren im Jahr 2019 deutlich – vor allem, weil Kernkraftwerke mehr Strom lieferten. Für die nächsten Jahre aber erwarten Experten konstante LNG-Lieferungen nach Südkorea – auch weil die drittgrößte Volkswirtschaft Ostasiens mehr als ein Viertel seiner Kohlekraftwerke abschalten will.

LNG als Diversifizierung

Im Rest der Welt herrschten über Jahrzehnte lokale und regionale, durch Pipelines vernetzte Gasmärkte vor. Europa bezieht sein Gas bis heute weitgehend aus eigenen Ressourcen unter anderem in der Nordsee, Russland und Nordafrika. Seit aber das Dritte Energiepaket der EU – verabschiedet im Jahr 2009 – den Wettbewerb stärkt, drängt auch mehr LNG nach Europa. „Echter Wettbewerb existiert eigentlich nur zwischen russischem Pipeline-Gas und LNG, weil die anderen Quellen ohnehin am Kapazitätslimit liefern“, schreibt James Henderson vom Oxford Institute for Energy Studies auf der Branchenplattform „Natural Gas World“.

Seither haben mehrere europäischen Länder begonnen, ihre Gaslieferanten durch LNG-Terminals zu diversifizieren. Polen etwa hat 2019 erstmals mehr Erdgas in Form von LNG importiert als über die Pipeline aus Russland. Auch die Niederlande wollen den Rückgang der eigenen Gasförderung offenbar nicht allein durch Pipeline-Gas kompensieren, das wohl in ausreichenden Mengen aus Norwegen und Russland über Deutschland oder Großbritannien kommen könnte. 2019 verdreifachten die Niederlande ihre LNG-Einfuhr.

Lettland will vor der Bucht von Riga ein schwimmendes Terminal zur Regasifizierung bauen. Über das zusammenwachsende baltische Gasnetz sollen auch Estland und Lettland versorgt werden. Weitere Lieferungen für das Baltikum könnten über ein LNG-Terminal fließen, das Finnland in der Hafenstadt Hamina baut.

Stiefkind in Deutschland

In Deutschland spielt LNG bisher praktisch keine Rolle. Bekannt ist es eher als emissionsarme Alternative zu Schiffs- oder LKW-Diesel. Global gesehen macht diese Verwendung allerdings einen verschwindend geringen Teil des LNG-Marktes aus.

Importterminals gibt es in Deutschland bisher nur auf dem Papier: Geplant ist der Bau von Regasifizierungsanlagen in Brunsbüttel und Wilhelmshaven. Bis dahin wird Deutschland seine Erdgas-Importe ausschließlich per Pipeline beziehen – und zwar zu etwa 50 Prozent aus Russland, einem guten Viertel aus Norwegen und einem knappen Viertel aus den Niederlanden.

Globaler Erdgasboom erwartet

Weltweit dürfte der Verbrauch, und damit der Handel von Erdgas in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Der Energieträger wird zunehmend in der Stromerzeugung eingesetzt, wo er als emissionsarme und flexible alternative zu Kohle gesehen wird.

Laut IEA, dürften sich auch im Lichte der abzeichnenden Rezession die Pläne zum Bau neuer LNG-Infrastrukturen nicht grundlegend ändern. Zwar sähen die Dinge im Lichte der Covid-19-Pandemie heute anders aus als bei Veröffentlichung der LNG-Studie Mitte Februar, erklärte IEA-Analyst Sean P. O’Brien dem en:former. Die genannten LNG-Investitionen würden sich dadurch aber eher verzögern, als obsolet werden: „Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich hier um langfristige, kapitalintensive Projekte handelt, die aufgrund einer Bewertung des Gasmarktes der nächsten 20 oder mehr Jahren beschlossen wurden.“

Bildnachweis: shutterstock.com, Vytautas Kielaitis

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