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Zurück zur ÜbersichtCO2-Bilanz 2018: Wie Europa seine Emissionen senkt
Großbritannien ist G20-Primus, Deutschland holt auf, Niederlande bleiben vorerst Mittelmaß

2018 war nicht nur klimatisch ein Rekordjahr. Die Welt hat mehr Treibhausgase in die Atmosphäre gepustet als je zuvor. Einige Länder haben es allerdings geschafft, ihre Emissionen zu senken – vor allem in Europa.

Nach der jüngsten Schätzung von Eurostat haben die Länder der Europäischen Union im Jahr 2018 beim Verbrennen fossiler Energieträger 2,5 Prozent weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen als 2017.

Deutschland war seit einiger Zeit zum ersten Mal wieder unter den Ländern, die einen signifikanten Beitrag geleistet haben. Das Vereinigte Königreich hat seine Emissionen im vergangenen Jahr kaum reduziert: Auf lange Sicht sind die Briten unter den G-20-Ländern aber die klaren Spitzenreiter in dieser Disziplin. Andere Länder – wie die Niederlande – tun sich bislang noch schwerer.

Deutschland subventioniert Erneuerbare

Die größte Volkswirtschaft der EU hat laut Umweltbundesamt im vergangenen Jahr insgesamt 41 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente weniger emittiert als im Vorjahr, ein Minus von 4,5 Prozent. Nur im Jahr 2009, also mitten in der damaligen Finanzkrise, als auch die Wirtschaftsleistung zurückging, sanken die Emissionen noch stärker. Wie in den vorangegangenen Jahren waren insbesondere die Stromerzeuger für das Ergebnis verantwortlich. Denn der Anteil des Stroms aus Erneuerbaren Energien wächst weiter. Das spiegelt sich auch in der Eurostat-Zahl wider: Demnach gingen die energiebezogenen Emissionen um 5,4 Prozent zurück.

Mit der Einspeisevergütung für regenerativ erzeugten Strom fördert der Gesetzgeber den Zubau geeigneter Anlagen seit dem Jahr 2000. Der Anteil von Erneuerbaren an der Stromerzeugung ist seither auf 38 Prozent im Jahr 2018 angestiegen. Damit haben sie maßgeblich die Lücke im Strommix gefüllt, die abgeschaltete Kernkraftwerke hinterlassen haben. Der Emissionsrückgang geht darauf zurück, dass die Erneuerbaren auch Kohlestrom ersetzt haben. Grüner Strom hat nämlich Vorrang im deutschen Stromnetz. Nur wenn davon nicht genug verfügbar ist, dürfen konventionelle Anlagen zugeschaltet werden.

Veränderung der CO2-Emissionen in der EU

Nach Mitgliedstaaten (Großemittenten) im Zeitraum 2008 bis 2017 (Quelle: BP, Eurostat)

Für andere Sektoren fehlen vergleichbare nationale Fördermodelle. Im Verkehrssektor setzt die Regierung bisher weitgehend auf Freiwilligkeit. Immerhin wachsen die Zahl der Elektroautos und der Anteil der Biokraftstoffe im Straßenverkehr, wenn auch langsam. Im Gebäudesektor unterstützt die Förderbank KfW zwar seit Jahren nachhaltiges Bauen durch günstige Kredite, dem Energiesektor vergleichbare Erfolge blieben aber bisher aus. Dass Haushalte und Kleinverbraucher ihre Emissionen 2018 dennoch um 11 Prozent senkten, wird vor allem dem milden Winter zugerechnet: Die Menschen mussten einfach weniger heizen.

Um seine Klimaziele zu erreichen, muss Deutschland allerdings mehr tun. Aktuell wird eine nationale CO2-Bepreisung über den Energiesektor, der bereits dem Europäischen Emissionshandel unterliegt, hinaus diskutiert.

Die Niederlande wollen ganz weg vom Erdgas

Den größten Teil ihres Stroms erzeugen die Niederländer traditionell mit eigenem Erdgas aus der Nordsee. Daran hat sich bisher wenig geändert. Die sonst oft so fortschrittlichen Niederlande sind beim Klimaschutz jahrelang auf der Stelle getreten. Im Land der Windmühlen bietet die installierte Windkraftleistung gerade einmal 13 Prozent der gesamten Erzeugungskapazität. Das reichte 2018 für einen Windstromanteil von zehn Prozent des erzeugten Stroms. Deutschland produziert 18 Prozent des Stroms aus Windkraft, Großbritannien 15 Prozent.

Aber auch die Niederlande haben es 2018 geschafft, ihre CO2-Emissionen zu senken – um 4,6 Prozent, so die Eurostat-Schätzung. Die niederländische Emissionsbehörde NEa lässt keinen Zweifel daran, wem dieser Fortschritt zuzuschreiben ist: Der Stromsektor senkte die Emissionen um 6,6 Prozent. Laut NEa ist das „ausschließlich auf den geringeren Einsatz von Kohle zurückzuführen.“ Unter anderem, heißt es, gehe der Effekt darauf zurück, dass Stromerzeuger, darunter auch RWE, die Brennkammern ihrer Kohlekraftwerke zunehmend mit Biomasse befeuern. Derzeit diskutiert das Parlament in Den Haag intensiv über einen nationalen Mindestpreis für CO2-Emissionen, um diese Entwicklung zu beschleunigen.

Im Gebäudesektor fahren die Niederlande mittlerweile eine partielle Radikalkur: Gasheizungen sind für Neubauten tabu, allerdings nur bei Wohngebäuden. Da Gas über Jahrzehnte nahezu die einzige Option war, die gute Stube zu wärmen, dürfte es jedoch dauern, bis sich die Wirkung der Maßnahme entfaltet und signifikant die CO2-Bilanz verbessert.

Großbritannien mit CO2-Mindestpreis zurück ins 19. Jahrhundert

Im Klimawandel-Ranking 2019 des Internationalen Klimarats IPCC sind die Niederlande und Deutschland nur Mittelmaß. Mit rund 55 Punkten liegen beide deutlich unter dem EU-28-Schnitt von 60,65 Punkten. Unter den großen europäischen Volkswirtschaften ist laut IPCC das Vereinigte Königreich Vorreiter.

Bereits 2013 haben die Briten auf Basis des EU-Emissionshandels einen nationalen Mindestpreis für die Emissionsrechte eingeführt. Während der Börsenkurs für ein Zertifikat unter fünf Euro pro Tonne lag, galt im UK ein Mindestpreis von neun Pfund, damals knapp elf Euro. Seit 2015 liegt der Mindestpreis bei 18 Pfund, etwa 21 Euro. Mitte 2018 hat der Börsenpreis für ein ETS-Zertifikat den britischen Mindestpreis erstmals überholt, Mitte April 2019 notierte eine Tonne CO2 über 25 Euro.

Seit Einführung des Mindestpreises ist die Kohleverstromung in Großbritannien Jahr für Jahr zurückgegangen – allein 2016 um 52 Prozent, 2017 um weitere 19 Prozent. Zunächst sprangen Gaskraftwerke ein. Gesicherte Kraftwerkleistung bezieht das Vereinigte Königreich aber auch aus Kernkraft, zusätzlich spielt Windkraft eine wachsende Rolle. Im Jahr 2017 schaffte das Vereinigte Königreich es, 24 Stunden ganz ohne Kohlestrom auszukommen – zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert. Heute ein Klacks: In den ersten drei Monaten 2019 standen die Kohlekraftwerke auf der Insel insgesamt 650 Stunden still – mehr als im gesamten Jahr 2017.

Begünstigt wurde dieser Rekord von den für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen. Ähnliches gilt für das Rekordjahr 2018. Da sanken die Treibhausgasemissionen im Vereinigten Königreich im sechsten Jahr in Folge: 361 Tonnen – so wenig CO2-Äquivalente haben die Briten zuletzt im 19. Jahrhundert emittiert.

Das Beispiel Großbritannien zeigt aber auch, dass der Stromsektor allein die Klimaziele nicht erreichen kann. Inzwischen kommt nur noch jede 20. Kilowattstunde im britischen Netz aus Kohlekraftwerken, viel weniger ist aktuell nicht möglich. Nach den großen Fortschritten sanken die Emissionen 2017 nur noch um 3,2 Prozent, 2018 um 1,5 Prozent. Eurostat kommt bei den energiebezogenen Emissionen sogar nur auf 0,3 Prozent.

Der Hauptgrund: Im Wärmesektor hat sich an der Nutzung von Öl und Gas kaum etwas geändert, und der Verkehrssektor stößt mittlerweile mehr Treibhausgase aus als alle anderen Sektoren. Daran muss sich etwas ändern. Denn den Weg zum Klimaziel 2050 – 80 Prozent weniger Emissionen als 1990 – haben selbst die fortschrittlichen Briten erst gut zur Hälfte hinter sich.

Bildnachweise: Space-kraft, shutterstock.com; Karolis Kavolelis, shutterstock.com; detchana wangkheeree, shutterstock.com; RWE AG

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