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Der britische Wärmemarkt soll grüner werden
Das Vereinigte Königreich braucht innovative Technologien und Regeln zum Heizen, um ihre Emissionen zu senken

Als der Mensch vor mehr als einer halben Million Jahre begann, das Feuer zu nutzen, hatte er eine kontrollierbare Wärmequelle entdeckt. Seither ist aus dem Luxus eine Notwendigkeit geworden, ohne die der heutige Mensch viele Länder gar nicht bewohnen könnte. Großbritannien, dessen nördlichster Punkt, Dunnet Head, kaum 800 Kilometer entfernt vom nördlichen Polarkreis liegt, gehört sicher dazu.

Inzwischen haben sich die Möglichkeiten, Wohnraum zu beheizen, weiterentwickelt. Und die Wahl der Mittel richtet sich maßgeblich nach den lokalen Bedingungen und verfügbaren Ressourcen. In Skandinavien, wo der Heizbedarf besonders hoch ist, ist Fernwärme mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit wesentlich gängiger als in milderen Klimazonen.

Im Vereinigten Königreich heizen etwa 84 Prozent der Haushalte mit eigenen Gasthermen. Den Rohstoff holte man seit den 1960er Jahren aus eigenen Reservoiren in der Nordsee. Damals löste es die emissionsintensiveren Heizstoffe Öl und Kohle ab, deren Nutzung mit den Luftreinheitsgesetzen der 1950er und 1960er Jahre eingeschränkt wurde, um dem dichten Smog Herr zu werden, der die britischen Großstädte damals regelmäßig einhüllte.

Keine neuen Gasheizungen mehr

Damals ging es um direkte Umwelteinflüsse, heute konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die Treibhausgase, die – wenngleich in geringerem Maße als bei Öl und Kohle – auch beim Verbrennen von Gas freigesetzt werden. Das Beheizen von Wohngebäuden erzeugt nach Schätzungen des Londoner Think-Tanks Policy Connect rund 13 Prozent der britischen CO2-Emissionen.

Bis 2050 will die Regierung die Netto-Emissionen auf null bringen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, muss die Dekarbonisierung auch in anderen Sektoren als der Stromerzeugung substantiell voranschreiten. Insbesondere Hauptemittenten wie Wärmesektor und Transport müssen hier aufholen. Dazu hat die britische Regierung im Frühjahr 2019 beschlossen, dass in neuen Wohngebäuden ab 2025 keine fossil befeuerten Heizungen mehr verbaut werden dürfen.

In den Niederlanden, in denen noch mehr Menschen mit Gas heizen, geht die Regierung noch weiter: Nicht nur sollen keine neuen Gasanschlüsse mehr gelegt werden, es sollen auch ganze Wohngebiete von der Gasversorgung getrennt werden.

Laut einer Studie des Oxford Institute for Energy Studies liegt die jährliche Spitzenlast bei der Wärmeenergie in Großbritannien mindestens doppelt so hoch wie beim Strom. Mit einer Umstellung auf elektrische Heizungen, die mit Strom aus Windkraft und Biomasse betrieben werden, wäre also ein großer Schritt in Richtung Klimaziele getan. Allerdings deutet das auch die Dimension der Umstellung an.

Soziale Kosten

Die Maßnahme dürfte nicht nur für den Wärmemarkt weitreichend sein. Heizen ist ein elementares Bedürfnis, steigende Kosten betreffen also jeden. Deshalb gilt für Heizstoffe bereits ein verminderter Mehrwertsteuersatz. Doch um die Emissionen zu senken, steht auch der Einbau neuer Heizungsanlagen sowie die energetische Sanierung der vielen in die Jahre gekommenen Häuser an.

Die Frage, wer für die Kosten aufkommt, drängt, zumal wenn es um finanzschwache Haushalte geht, die vor nicht allzu langer Zeit noch in eine Gasheizung investiert haben.

Hinzu kommt: Der Wärmemarkt kann nicht als einzelner Sektor grüner gemacht werden. Seit das alte Schema – Öl für den Transport, Gas zum Heizen und ein Energieträgermix zur Stromerzeugung – auf der Suche nach einer nachhaltigeren Energieversorgung aufgebrochen wurde, muss das gesamte Energiesystem neu aufeinander abgestimmt werden. Genau hier sehen Experten aber auch eine Chance, zum Beispiel durch Sektorenkopplung – wie sie in der Kraft-Wärme-Kopplung bereits geschieht – Synergien zu schaffen und Kosten zu einzusparen.

Der Fahrplan zum grünen Wärmemarkt

Um den Wärmemarkt mit seinen Klimazielen in Einklang zu bringen, muss das Vereinigte Königreich das Beheizen seiner Wohngebäude jedenfalls umfassend verändern. Laut dem nationalen Klimarat muss dieser Wandel Mitte der 2020er Fahrt aufnehmen, um 2050 die Netto-Null zu erreichen.

Derzeit erarbeitet die britische Regierung einen Fahrplan, der eine ganze Reihe Möglichkeiten beinhalten dürfte. Denn der Weg zu weniger Treibhausgasen ist im Wärmemarkt nicht so klar, wie im Transport, in dem elektrisch betriebene Fahrzeuge als naheliegende Lösung gelten.

Im Gebäudesektor ist die Bandbreite der Maßnahmen weit größer. Sie reichen von Wärmedämmung über Elektrifizierung bis hin zu Geothermie und dem Erhitzen von Heizungs- und Leitungswasser mithilfe von Sonnenenergie. Hinzu kommt die Kraftwärmekopplung als Fernwärme oder in Blockheizkraftwerken vor Ort – am besten unter Nutzung von nachhaltig gewonnenen Brennstoffen wie Synthesemethan, Biogas oder Wasserstoff, die aber auch in herkömmlichen Gasheizthermen verwendet werden können.

Die 2020er Jahre könnten als zum Jahrzehnt der Entdeckungen und Innovationen auf dem Wärmemarkt werden – technologisch, aber auch klimapolitisch.

Bildnachweis: Piotr Debowski, shutterstock.com

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