Offshore Windkraftanlage vor den Jeju-Inseln in Südkorea
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Südkoreas Energiewende-Plan: 2050 soll die Netto-Null stehen
Die asiatische Industrienation könnte seinen gesamten Strombedarf durch Offshore-Windstrom decken

Asiens viertgrößte Volkswirtschaft macht sich bereit, der wachsenden Gruppe ostasiatischer Staaten beizutreten, die Seewinde in großem Stil als Stromquelle nutzen wollen, um ihre Abhängigkeit von Kohlestrom zu reduzieren. Beim ersten „Internationalen Tag der Sauberen Luft für blauen Himmel“ (International Day of  Clean Air for Blue Skies) im September hat Südkoreas Präsident Moon Jae-in angekündigt, seine Regierung werde bis Ende 2022 zehn Kohlekraftwerke schließen und weitere 20 Meiler bis 2034.

Ausgleichen soll das eine Verdreifachung von Solar- und Windstromkapazität: Dafür müsste das ostasiatische Land seine Photovoltaikleistung von zehn auf 30 Gigawatt (GW) ausbauen und die Windkraftanlagen von 1,5 auf 4,5 GW.

Südkoreas „Green New Deal“

Wie es aussieht, soll das aber nur der Anfang in Sachen erneuerbare Energien sein. Bereits im Juli hatte die Regierung ihr Ziel bekanntgegeben, bis 2030 einen Offshore-Windstrom-Kapazität von 12 GW aufzubauen.

Seine Regierung werde bis Ende des Jahres neue Klimaziele für das Jahr 2030 beschließen und einen Plan vorlegen, der Südkorea bis 2050 klimaneutral machen soll. Es wäre der erste Netto-Null-Plan eines ostasiatischen Landes überhaupt. Im Rahmen seines „Green New Deal“ für die Zeit nach der Covid-19-Krise hat Moon außerdem vorgeschlagen, die Finanzierung von Kohleprojekten einzustellen und eine Kohlendioxidsteuer einzuführen.

Ein Weg aus der Importabhängigkeit

Die Abkehr von der Kohleverstromung ist für Südkorea eine Zeitenwende. Der Rohstoff hat maßgeblich die Industrialisierung des Landes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts befeuert. Noch 2019 stammten 41,5 Prozent des Stroms aus Kohlekraftwerken.

Die Herausforderung ähnelt denen von Japan und Taiwan, die ebenfalls das Potenzial der sie umgebenden Seewinde ausbeuten wollen. Alle drei sind fortgeschrittene Volkswirtschaften, die zunehmend auf Energieimporte angewiesen sind, weil es auf den vergleichsweise kleinen Territorien an eigenen Rohstoffen und Wasserkraftpotenzial mangelt. Entscheidend für den Ausbau erneuerbarer Energien dürfte daher die Haltung zur Kernkraft werden: Während Japan offenbar einen kleineren, aber weiterhin signifikanten Teil seines Stroms aus Kernkraft gewinnen will, wollen Taiwan und Südkorea ihre Kraftwerke mit der Zeit ganz abschalten. Wenn Südkorea bei seinen aktuellen Plänen bleibt, keine neuen Lizenzen oder Laufzeitverlängerungen mehr zu erteilen, dürfte dies aber noch 45 Jahre dauern.

Wachstum und Arbeitsplätze in der Offshore-Windkraft

Derzeit sind in Südkoreas Gewässern Windkraftanlagen mit gerade einmal 98 Megawatt installiert. Der Ausbaubedarf ist also immens. Dennoch geht es dem Land wohl nicht allein um die eigene Stromversorgung. Die Branche soll südkoreanischen Unternehmen auch Chancen für Exporte eröffnen.

Bisher ist das Land der drittgrößte öffentliche internationale Investor für Kohlekraftwerke. Spätestens wenn diese Investitionen wie angekündigt entfallen, wird sich die Schwerindustrie des Landes nach Alternativen – auch für den Export – umsehen müssen. Der Kraftwerksbauer Doosan Heavy Industries and Construction legt große Hoffnung in die Branche: Für zwei bestehende Offshore-Windparks in Südkorea hat es Zwei-MW-Turbinen geliefert. Die Fünf-MW-Variante hat bereits eine internationale Zertifizierung erhalten. 2022 will Doosan eine Acht-MW-Turbine an den Markt bringen. Bis 2025 will das Unternehmen eine Billion Won (ca. 728 Mrd. Euro) mit Windkraftanlagen umsetzen. Bisher fertigt Doosan 70 Prozent der Bauteile im Land.

Genug Potenzial für den gesamten Strombedarf

Für die nächsten zehn Jahre hat Südkorea den Baubeginn von Offshore-Windparks mit einer Leistung von insgesamt sieben Gigawatt geplant. Weitere vier Gigawatt befinden sich in der Pipeline. In diesem Sommer haben die Arbeiten für einen 2,4-GW-Windpark vor der Südwestküste der Halbinsel begonnen. Bis 2028 sollen alle Bauphasen ans Netz gehen. Die Stadt Ulsan im Südosten hat zudem eigene Absichtserklärungen mit verschiedenen in- und ausländischen Investoren zur Entwicklung von Offshore-Windkraftanlagen unterzeichnet.

Nach dem Offshore Wind Outlook 2019 der Internationalen Energieagentur IEA hat Südkorea ein Erzeugungspotenzial in küstennahem Flachwasser von 27 Terawattstunden (TWh) pro Jahr. Diese Projekte versprechen die größte Kosteneffizienz und dürften als erstes erschlossen werden. Aber sie könnten weniger als fünf Prozent der aktuellen Stromproduktion des Landes stemmen.

Wesentlich mehr Strom ist in mehr als 60 Kilometer Entfernung von der Küste zu holen. Allein in den flachen Gewässern – das heißt: weniger als 60 Meter tief – sieht die IEA dort ein Potenzial von rund 586 TWh. Dies entspricht der gesamten Jahreserzeugung 2019. Preiswerteren Strom könnten eventuell schwimmende Windkraftanlagen in tieferen, aber küstennäheren Gebieten sein. Hier sieht die IEA Erzeugungsmöglichkeiten für immerhin 366 TWh pro Jahr. Bisher wird der Ausbau erneuerbarer Energie in Südkorea übrigens so gefördert: Eine Vorschrift verpflichtet Erzeuger mit mehr als 500 MW Kapazität, den Anteil erneuerbarer Energie an ihrem Portfolio stufenweise zu erhöhen. Das Ziel für 2020 ist sieben Prozent, das für 2023 zehn Prozent.

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