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Deutschland schmiedet weltweite Wasserstoff-Allianzen
Marokko, Australien, Frankreich: Beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft ist die Bundesregierung auf Partnersuche

Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie gibt Deutschland in der Energiewende eine klare Richtung vor: Industrie, Verkehr und in Teilen auch der Wärmesektor sollen statt mit fossilen Brennstoffen ihren Energiebedarf künftig außer mit erneuerbarem Strom mit grünem Wasserstoff decken, um klimaneutral zu werden. Die Bundesregierung investiert dazu neun Milliarden Euro in den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft. Zwei Milliarden Euro davon sind reserviert für internationale Wasserstoff-Partnerschaften. Denn allein ist das ehrgeizige Ziel nicht zu erreichen, einfach weil die Kapazitäten der Erneuerbaren Energien vor Ort begrenzt sind. Für die Elektrolyse zur Herstellung des Rohstoffs wird jedoch viel Strom aus Windkraft- und Solaranlagen benötigt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sucht deshalb aktuell Partner, in Europa, vor allem aber darüber hinaus.

Forscher des Fraunhofer-Instituts haben in einer Roadmap die voraussichtliche Wasserstoffnachfrage in Deutschland berechnet. Im Jahr 2050 wird der Bedarf demzufolge zwischen 250 und 800 Terawattstunden (TWh) pro Jahr liegen – je nachdem, wie stark einzelne Bereiche elektrifiziert sind. Der Bedarf wird damit deutlich höher sein als die Menge, die – nach heutigem Kenntnisstand – im Land produziert werden kann. Das Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion geht derzeit davon aus, dass die Bundesrepublik bis 2050 rund 45 Millionen Tonnen Wasserstoff importieren muss.

Erste Anlage für grünen Wasserstoff in Afrika

Noch bevor die Regierung ihre Wasserstoffstrategie verabschiedet hat, hat das BMBF deshalb einen Potenzialatlas erstellt. Darin werden verschiedene afrikanische Länder hinsichtlich ihrer Möglichkeiten zur Produktion von grünem Wasserstoff analysiert. Der Fokus liegt dabei auf Regionen, die ideale Standorte für EE-Anlagen sind, weil sie zum Beispiel besonders viele Sonnenstunden oder starke Winde verzeichnen. Sie sind für Deutschland attraktive Kooperationspartner beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft. Zwei der neun Milliarden Euro Fördermittel zur Umsetzung der Wasserstoffstrategie sind für internationale Partnerschaften vorgesehen.

In Marokko hat die Bundesrepublik bereits einen geeigneten Partner gefunden. In dem nordafrikanischen Land sollen die erste Produktionsanlage für grünen Wasserstoff in Afrika für 300 Millionen Euro und eine Forschungsplattform entstehen. In einer Absichtserklärung haben die Regierungen sich darauf verständigt, bei „Power-to-X“ gemeinsame Sache zu machen.

Lieferkette mit Australien geplant

Und es gibt weitere vielversprechende Angebote: So hat etwa Australien zuletzt Interesse bekundet, sich auf eine Wasserstoff-Fernbeziehung mit Deutschland einzulassen. Noch vor Jahresende will das BMBF eine Zusammenarbeit beginnen, denn das sonnenreiche Land scheint ein idealer Partner zu sein: Es verfügt nicht nur über sehr gute Bedingungen für die Stromerzeugung aus Erneuerbaren, sondern hat ebenfalls eine Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und die australischen Minister für Ressourcen, Wasser und Nordaustralien, Keith Pitt, sowie für Handel, Tourismus und Investitionen, Simon Birmingham, haben nun die Idee, Sonne von Down Under in Form von Wasserstoff nach Deutschland zu holen.

Dazu haben die Minister im Sommer eine Absichtserklärung unterzeichnet. Sie planen eine gemeinsame Lieferkette für den Rohstoff. Deutsche Unternehmen sollen die Technologien bereitstellen, Australien den grünen Wasserstoff produzieren und in die Bundesrepublik exportieren. In einer 24-monatigen Machbarkeitsstudie wollen beide Seiten die Möglichkeiten prüfen. Das BMBF unterstützt die deutschen Projektpartner, die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften acatech und den Bundesverband der Deutschen Industrie e. V., dabei mit 1,5 Millionen Euro. RWE Supply & Trading ist als Partner an dem Projekt HySupply beteiligt und bringt sein Know how zu internationalen Lieferbeziehungen ein.

Die Kooperation soll nicht nur die Energiewende grenzüberschreitend vorantreiben. In beiden Ländern soll auch die Wirtschaft davon profitieren. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek betont: „Mir kommt es darauf an, dass Deutschland jetzt die Weichen stellt für internationale grüne Wasserstoffpatenschaften, die deutschen Unternehmen frühzeitig die Türen öffnen zu Absatzmärkten für Wasserstofftechnologien ‚made in Germany‘.“ Simon Birmingham ergänzt: „Durch die Zusammenarbeit miteinander und mit der Industrie werden wir eine erneuerbare Wasserstoffindustrie aufbauen, die Arbeitsplätze in Australien und Deutschland schaffen wird.“

Gespräche über „Gigafactory“ in Frankreich

Aber auch in der direkten Nachbarschaft schaut die Bundesregierung sich nach Partnern um. Anfang September näherten sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier und sein französischer Kollege Bruno Le Maire bei einem Treffen der EU-Finanzminister beim Thema Wasserstoff an. Frankreich hatte kurz zuvor seine sieben Milliarden Euro schwere Wasserstoffstrategie vorgestellt. Nun gibt es offenbar Überlegungen, gemeinsam eine „Gigafactory“ aufzubauen, die den Rohstoff nachhaltig produziert. Bis zu 1,5 Milliarden Euro wollen beide Länder in das Projekt investieren. Weitere Details sind noch zu klären.

Deutschland sieht sich in den Partnerschaften stets in der Rolle des Innovationstreibers, das hebt Anja Karliczek hervor. Schon heute fördert ihr Ministerium verschiedene Forschungsprojekte im Bereich Wasserstoff. In den Kopernikus-Projekten zum Beispiel, einer der größten deutschen Forschungsinitiativen zum Thema Energiewende, befassen sich Wissenschaftler bereits seit einigen Jahren damit, wie der Rohstoff nachhaltig und effizient gewonnen, gespeichert, transportiert und genutzt werden kann.

Grenzüberschreitende Forschungsförderung

Mit Verabschiedung der Nationalen Wasserstoffstrategie hat das Ministerium weitere Förderprogramme ins Leben gerufen, darunter den Ideenwettbewerb „Wasserstoffrepublik Deutschland“. Ziel ist es, die Grundlagenforschung im Bereich Wasserstofftechnologie voranzutreiben und Leitprojekte zum Einsatz von grünem Wasserstoff in den Sektoren Industrie, Verkehr und Gebäude umzusetzen. Außerdem fördert das BMBF künftig deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die bei der Wasserstoffforschung mit Institutionen aus der Region Asien-Pazifik zusammenarbeiten.

So will die Bundesregierung die Basis für weitere Allianzen legen, sich ein weltweites Netzwerk aufbauen und dadurch einen strategischen Vorteil verschaffen. Denn wenn künftig immer mehr Länder auf den Rohstoff setzen sollten, sind ressourcenstarke Partner Gold – oder sollte man sagen: Wasserstoff – wert.

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