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Nach Baustopp steht die britische Nuklearpolitik auf dem Prüfstand
Hitachi und Toshiba haben den geplanten Bau von drei Kernkraftwerken in Großbritannien gestoppt

Zwei Entscheidungen am anderen Ende der Welt bedeuten einen schweren Schlag für die britische Energiestrategie für die kommenden Jahrzehnte. Im November hatte der japanische Elektronikkonzern Toshiba das Aus der britischen Tochtergesellschaft NuGen verkündet, die ein neues Kernkraftwerk im nordenglischen Moorside nahe des traditionsreichen Standortes Sellafield bauen wollte. Und nun, rund zwei Monate später, hat der Verwaltungsrat des ebenfalls japanischen Industriekonglomerats Hitachi beschlossen, seine Pläne für den Neubau des Kernkraftwerks Wylfa Newdd auf der walisischen Insel Anglesey zu stoppen. Während die britische Regierung zur Deckung des zukünftigen Energiebedarfs eine Vielzahl von Möglichkeiten sieht – wie Erneuerbare, Energiespeicher, ein verstärkter Anschluss an europäische Netze und neue Kernkraftwerke – stellen diese Nachrichten unzweifelhaft eine Herausforderung für die Nuklearpläne dar.

Viele Kraftwerke werden in Zukunft stillgelegt

Denn bis zum Jahr 2030 werden sieben der acht Kernkraftwerke den Betrieb einstellen, nur das Kraftwerk Sizewell B in Suffolk wird dann noch laufen. Zusätzlich hat sich die Regierung verpflichtet, die sieben verbleibenden Kohlekraftwerke bis spätestens 2025 vom Netz zu nehmen. Als Ersatz sollen neue Reaktoren gebaut werden, diese sollen verlässlich Strom erzeugen und helfen, die CO2-Emissionen zu senken.

Ursprünglich wollte die Regierung mindestens sechs neue Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 18 Gigawatt (GW) errichten lassen, die zukünftig rund 20 Prozent des Stromverbrauchs decken sollten. So hoch ist auch der aktuelle Anteil am britischen Strommix, seit Jahren decken Kernkraftwerke konstant rund ein Fünftel des gesamten Verbrauchs. Doch diese Ziele erscheinen nach den neusten Ankündigungen als wenig realistisch.

Drei Projekte gestoppt

Auf Anglesey, der größten Insel Wales, wollte Hitachis britische Tochterfirma Horizon Nuclear Power in Sichtweite des alten Kernkraftwerkes Wylfa, das vor vier Jahren stillgelegt wurde, zwei Reaktoren bauen. Die Bauarbeiten hatten noch nicht begonnen, aber nach jahrelanger Vorbereitung liegen die Genehmigungen vor. Doch bis auf weiteres ist das Bauvorhaben gestoppt. Laut Medienberichten war es dem japanischen Konzern nicht gelungen, private Investoren für das 21,6 Milliarden Pfund (24,8 Mrd. Euro) teure Projekt zu finden. Die ursprünglich prognostizierten Kosten hatten sich verdoppelt. Langwierige Verhandlungen mit der britischen Regierung über Preisgarantien oder eine Finanzbeteiligung endeten ohne Einigung. Dabei hatte laut Energieminister Greg Clark die Regierung eine Preisgarantie von bis zu 75 Pfund (rund 85 Euro) pro Megawattstunde (MWh) sowie Unterstützung bei der Finanzierung geboten.

Zwar ist Hitachi weiterhin zu Gesprächen mit der Regierung bereit, der Konzern hat aber Abschreibungen von 300 Milliarden Yen (2,4 Milliarden Euro) auf seine britische Tochter Horizon Nuclear Power vorgenommen und seine Gewinnprognose gesenkt. Von dem Rückzug ist auch ein weiteres geplantes Kernkraftwerk in Oldbury in der Grafschaft Gloucestershire betroffen.

Hitachis Ankündigung folgt dem Rückzug Toshibas von dem Projekt in Moorside vor nicht einmal drei Monaten. Die drei Projekte (Moorside, Wylfa and Oldbury) hätten zusammen über eine Leistung von mehr als 9 GW verfügt und rund 15 Prozent des heutigen Strombedarfs gedeckt.

Ein Projekt in der Bauphase

Von den geplanten Neubau-Projekten hat bisher nur eines das Reißbrett verlassen. Der französische Energiekonzern EDF baut in Sommerset das Kernkraftwerk Hinkley Point C mit einer Kapazität von 3,2 GW. Der Baubeginn war im Jahr 2017, laut Zeitplan soll es im Jahr 2025 in Betrieb gehen. Allerdings haben ähnliche Projekte in Frankreich und Finnland mit erheblichen Verzögerungen zu kämpfen. Und auch der Bau von Hinkley Point C könnte sich verzögern, laut Medienberichten um bis zu 15 Monate, bis in das Jahr 2027. Das erste Kernkraftwerk seit über zwei Jahrzehnten wird voraussichtlich mehr als 20 Milliarden Pfund kosten.

In Planung sind weiterhin die zwei Kraftwerksprojekte Sizewell C in Suffolk und Bradwell B in Essex, welche EDF gemeinsam mit dem chinesischen Staatskonzern General Nuclear Power (CGN) bauen möchte. Beide Projekte, die sich momentan noch im Genehmigungsprozess befinden, werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vor 2030 in Betrieb gehen.

CGN hält die Mehrheit der Anteile an der Entwicklungsgesellschaft in Bradwell und hat die Leitung des Projektes, EDF unterstützt. In dem Kernkraftwerk will das chinesische Unternehmen einen selbst entwickelten Reaktor einbauen. Es wäre das erste Mal, dass ein chinesischer Reaktor in Westeuropa eingesetzt würde.

Sicherheitsexperten und Politiker sehen die Rolle von CGN im Rahmen der britischen Nuklearpläne kritisch und zeigen sich besorgt über die enge Verbindung zwischen den Unternehmen und der chinesischen Regierung. Sie befürchten, dass der Staatskonzern einen zu großen Einfluss auf die britische Energieversorgung gewinnen und Anlagen mit geringerem Sicherheitsstandard betreiben könnte. Weitere Sorgen betreffen den Abfluss von Technologie sowie eine wachsende Anfälligkeit für Cyber-Attacken.

Wie Medien kürzlich berichteten, steht CGN in Verhandlungen mit dem britischen Technologiekonzern Rolls-Royce, welcher Steuertechnik für Kernkraftwerke fertigt. Die mögliche Zusammenarbeit könnte helfen, Sicherheitsbedenken zu zerstreuen.

Finanzierung unter Druck

Bau und Betrieb von Kernkraftwerken gelten zunehmend als wenig lukrativ, seit die Kosten für Erneuerbare Energien deutlich sinken. Für Hinkley Point C hat die britische Regierung EDF eine Preisgarantie von mehr als 90 Pfund (mehr als 100 Euro) pro Megawattstunde Strom plus Inflationsaufschlag zugesichert – für 35 Jahre. Dieser Absatzpreis, der weit über dem Marktpreis liegt, wird von vielen Experten als zu hoch kritisiert.

In den Verhandlungen mit Hitachi war die Regierung zu solchen Zugeständnissen nicht bereit – die Preisgarantie war dem japanischen Konzern zu niedrig, der das Projekt auf Eis gelegt hat. „Wir brauchen einen neuen Ansatz neue Projekte zu finanzieren“, erklärte Energie-Minister Greg Clark. Weiter gehen Oppositionspolitiker und Wirtschaftsvertreter, laut Medienberichten fordern sie eine grundlegende Revision der britischen Energiestrategie.

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