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Agri-Photovoltaik: Solarpark und Acker in einem
Platzsparende Solarmodule ermöglichen Stromerzeugung auf landwirtschaftlichen Flächen

Strom aus Sonnenenergie ist in der Produktion der „günstigste aller Zeiten“. Das schreibt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem aktuellen globalen Energiebericht. Außerdem sind Solarmodule vielseitig einsetzbar und so für viele Bereiche attraktiv. Schon heute sind sie auf Dächern, Feldern und Seen zu finden. Und Entwickler tüfteln an immer neuen Ansätzen. In einer Serie stellt der en:former innovative Projekte vor.

In gemächlichem Tempo fährt ein Traktor mit ausladendem Mähwerk über das Feld im baden-württembergischen Donaueschingen. Präzise manövriert er zwischen zwei langen Reihen senkrecht stehender Metallgestelle hindurch und schneidet dabei das Gras bis auf wenige Zentimeter an die Pfeiler im Boden heran ab. An ihnen sind rechteckige Module mit einer gläsernen Oberfläche befestigt, immer zwei übereinander.

Der 14 Hektar große Acker ist der erste, der nicht nur für die Landwirtschaft, sondern seit Oktober auch für die kommerzielle Stromerzeugung mit einer neuen Technologie genutzt wird: An den 5800 in Reihen angeordneten Gestellen hat die deutsche Photovoltaik-Firma Next2Sun rund 11.000 Solarmodule angebracht. Anders als bei herkömmlichen Anlagen stehen diese senkrecht und sind somit besonders platzsparend. Außerdem wurden sogenannte bifaziale Solarzellen verwendet, die sowohl mit der Vorder- als auch mit der Rückseite Strom produzieren können.

Strom für 1400 Haushalte

„Im Solarpark Donaueschingen-Aasen wurde eine hochinnovative Lösung für das Problem der Flächenknappheit bei der Solarenergiegewinnung umgesetzt, indem Landwirtschaft und Solarenergie unter einen Hut gebracht wurden“, sagte Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, bei der feierlichen Eröffnung der bisher größten Agri-Photovoltaikanlage mit dem innovativen Gestellsystem von Next2Sun. Mit einer Leistung von 4,1 Megawatt peak (MWp) kann der Park rund 1400 Haushalte mit nachhaltig erzeugtem Strom versorgen. Zwischen den Modulreihen bleibt mehr als 90 Prozent der Fläche für den Ackerbau erhalten. Auf den schmalen Streifen darunter können insektenfreundliche Blühpflanzen ausgesät werden – eine zusätzliche Aufwertung der Ackerfläche.

Dieser Ansatz löst nicht nur das Problem der Flächenknappheit: Sind die Landwirte gleichzeitig Grundstückseigentümer, erhalten sie auch eine Pacht, solange ihr Feld für den Solarpark genutzt wird – in der Regel 30 Jahre lang. Das Areal in Donaueschingen verteilt sich auf mehrere Besitzer, darunter einige Bauern. Sie können ihre Äcker weiter bewirtschaften.

Höhere Erträge bei höheren Preisen

Ein Schnäppchen sind die Anlagen für Investoren jedoch nicht: Die Kosten für die bifazialen Solarmodule liegen aktuell noch über denen für konventionelle, nach Süden ausgerichtete. PV-Zellen, die nur auf einer Seite Energie gewinnen können, schlagen mit rund 500 Euro pro Kilowatt (kW) zu Buche, bei zweiseitigen sind es 600 Euro. Dafür versprechen diese höhere Erträge – bis zu 15 Prozent mehr Strom können sie Expertenschätzungen nach produzieren.

Für sein Konzept erhielt das Unternehmen im Sommer 2020 einen Solarpreis von der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien (Eurosolar) und der EnergieAgentur.NRW. „Wir sehen in der Agri-Photovoltaik einen entscheidenden Baustein, damit die Energiewende in Deutschland gelingen kann“, sagt Geschäftsführer Sascha Krause-Tünker. Bereits 2018 hat Next2Sun in Eppelborn-Dirmingen im Saarland eine 2-MWp-Pilotanlage installiert und das Konzept getestet.

Weitere Projekte in Planung

Die Innovation aus Deutschland stößt laut Christian Meyer, Projektentwickler bei Next2Sun, auch im Ausland bereits auf Interesse: „Wir haben eine Vielzahl von Projekten in der Pipeline“, kündigt er an. Neben einer ganzen Reihe von Anfragen aus der gesamten Bundesrepublik, gibt es schon Kooperationen mit Unternehmen in Österreich, der Schweiz, Polen und Frankreich. Weitere sollen in Skandinavien, Italien sowie den USA entstehen. „Wir erwarten ein starkes Wachstum und bauen derzeit hierfür die nationalen und internationalen Strukturen auf“, sagt der Projektplaner des Start-Ups.

Obwohl es laut dem Unternehmen bereits eine ganze Reihe an Interessenten gibt, gilt es noch bürokratische Hürden zu überwinden. Denn auch, wenn fast die gesamte Fläche weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden kann, zahlt die EU für Felder mit Solarmodulen zurzeit keine Agrar-Förderung mehr.

Außerdem tun sich laut Christian Meyer noch viele Kommunen schwer damit, Sonnenenergieanlagen in der Flächenplanung zu berücksichtigen. „Es bräuchte auch einen Paradigmenwechsel in der Flächenausweisung. Der Grundsatz müsste lauten: PV kann überall dorthin, wo sie optimal in landwirtschaftliche und ökologische Flächenbewirtschaftung integriert werden kann“, sagt der Experte für nachhaltiges Management.

Bildnachweis: © Next2Sun

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