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Frankreich setzt verstärkt auf Offshore-Windkraft
Windparks mit einer Kapazität von mehr als zwölf Gigawatt könnten bis 2028 entwickelt werden

Bislang war Frankreich mit seinem von der Kernkraft dominierten Stromsektor relativ langsam, was den Einstieg in die Offshore-Windkraft anbelangt. Aber das scheint sich zu ändern: Am 24. März 2021 gewährte die Europäische Investitionsbank (EIB) dem Konsortium, das das 450-Megawatt (MW)-Windprojekt Courseulles-sur-Mer zehn bis 16 Kilometer vor Calvados in der Normandie entwickelt, einen Kredit in Höhe von 350 Millionen Euro. Und Juni des vergangenen Jahres unterstützte die EIB den 497-MW-Windpark Fécamp, der ebenfalls vor der Küste der Normandie entstehen soll, mit einer Kreditlinie von 450 Millionen Euro.

Hinzu kommt, dass sowohl für Fécamp als auch für das 496-MW-Projekt Baie de Saint-Brieuc, das 16,5 Kilometer vor der bretonischen Küste entsteht und voraussichtlich 2023 in Betrieb gehen wird, im vergangenen Jahr Aufträge für Turbinen erteilt wurden. Die Hauptkomponenten der Turbinen für beide Windparks sollen in einem neuen Werk gefertigt werden, das Siemens Gamesa gerade in Le Havre errichtet.

Installation des Windparks Fécamp

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Startschuss verzögert

Dabei liegt die erste Ausschreibungsrunde für Offshore-Windparks vor der Küste Frankreichs schon länger zurück – bereits 2012 fand sie statt. Seitdem mussten die Entwickler eine Reihe von administrativen und rechtlichen Hürden überwinden, um die Projekte auf den Weg zu bringen. Für das 480-MW-Offshore-Windprojekt Saint Nazaire, das 2012 den Zuschlag erhielt, begann erst im vergangenen Jahr der Bau. Und auch Fécamp und Saint-Brieuc wurden schon 2012 vergeben, ebenso wie Courseulles-sur-Mer. Die Gesamtkapazität der 2012 Vorhaben betrug damals zwei Gigawatt (GW). Im Jahr 2014 wurden in einer zweiten Runde zwei weitere Projekte ausgeschrieben: die 496-MW-Windparks Dieppe-Le Tréport und îles d’Yeu et de Noirmoutier.

Große Aufmerksamkeit erregte die Ausschreibung für fast 600 MW Kapazität vor Dunkerque gut fünf Jahre später. Der Zuschlag wurde im Juni 2019 zu einem Preis von nur 50 Dollar pro Megawattstunde (MWh) bzw. 44 Euro/MWh vergeben – das entsprach weniger als einem Drittel des neu verhandelten Einspeisetarifs, der für Projekte der ersten und zweiten Runde festgelegt worden war.  Dieses Preisniveaus zeigt: Die Offshore-Windenergie ist in Frankreich angekommen.

Ambitionen der Regierung wachsen

Im April 2020 verabschiedete die französische Regierung schließlich ihr Energieprogramm (PPE), das ein neues, höheres Ziel für Offshore-Wind festlegt. Bis 2028 sollen demzufolge 5,2 bis 6,2 GW in Betrieb sein. Das Ziel für 2023 liegt bei 2,4 GW.

Danach, im Dezember 2020, startete eine Ausschreibung für ein GW Kapazität vor der Halbinsel Contentin in der Normandie. Es wird erwartet, dass eine Ausschreibung für 0,5 bis einem GW in Sud-Atlantique folgt und dann drei über 250 MW für schwimmende Offshore-Windprojekte im Laufe der Jahre 2021 und 2022. Ein weiteres ein-GW-Vorhaben ist für 2023 geplant und die Regierung beabsichtigt, bis 2030 jährlich ein GW Kapazität auszuschreiben. Frankreich hat darüber hinaus bereits vier schwimmende Offshore-Windprojekte in der Entwicklung, drei mit 24 MW Leistung und ein viertes, EolMed, mit 25 MW.

Ein großer Markt entsteht

Alle Aktivitäten zusammengerechnet, könnte Frankreich bis 2028 über bis zu 12,4 GW an installierter und in der Entwicklung befindlicher Kapazität verfügen. Eine beeindruckende Größenordnung, wenn man bedenkt, dass es aktuell keinen einzigen kommerziell betriebenen Offshore-Windpark gibt.  Eine eher konservativere Prognose von Rystad Energy (auf Englisch) kommt zu dem Ergebnis, dass Frankreich bis 2030 rund 7,4 GW an Offshore-Windkraft in Betrieb haben wird.  Das würde das Land zum viertgrößten Offshore-Windmarkt in Europa machen, hinter Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden.

Frankreichs Prognose im Vergleich zu den europäischen Zielen für 2030

Quelle: Rystad Energy Wind Offshore Dashboard, IEA

Damit wäre jedoch nur ein Bruchteil des Gesamtpotenzials ausgeschöpft.  Eine von BVG Associates im Auftrag des Branchenverbands WindEurope im Juni 2017 durchgeführte Studie (auf Englisch) schätzte basierend auf der Entwicklung der Offshore-Windtechnologie bis 2030, dass Nordfrankreich über eine Brutto-Offshore-Windressource von rund 6.000 Terawattstunden (TWh) pro Jahr und ein technisches Potenzial von etwa 1.200 TWh/Jahr verfügt – mehr als das Doppelte der französischen Stromversorgung 2019.

Zudem bietet die Mittelmeerküste erhebliche Windpotenziale. Die 2019 veröffentlichte Studie „Large-scale offshore wind production in the Mediterranean Sea“ (Großangelegte Offshore-Windproduktion im Mittelmeer) ergab, dass Frankreich von allen Mittelmeeranrainerstaaten die höchsten durchschnittlichen jährlichen Windgeschwindigkeiten von sieben bis acht Metern pro Sekunde aufweist.  Sie deutet darauf hin, dass im Golfe du Lion das Potenzial für festinstallierte Windparks groß ist. Allerdings fällt der Boden des Mittelmeers dann steil ab. Dort könnten besser schwimmende Offshore-Windräder zum Einsatz kommen.

Strategie für saubere Energie entfaltet sich

Die ambitionierten neuen Pläne zeigen: Offshore-Wind ist zu einem Kernbestandteil der Energiewendepläne der Regierung geworden. Neben der Reduktion von Treibhausgasemissionen wird die Erneuerbare Energie aus zwei Gründen benötigt: Erstens hat Frankreich die Stromerzeugung aus Kohle stark eingeschränkt. Im Jahr 2019 lieferten Kohlekraftwerke nur 1,6 von insgesamt 537,7 TWh Strom – und das noch vor dem für 2022 geplanten Kohleausstieg. Zweitens strebt die Regierung an, den Anteil der Kernenergie am Strommix bis 2035 auf 50 Prozent zu senken. 2020 kamen noch gut 70 Prozent des Stroms aus Kernkraftwerken.

Prognosen des Stromnetzbetreibers RTE deuten zwar darauf hin, dass die Nachfrage nach Strom aus regenerativen Quellen zumindest bis 2025 relativ konstant bleiben wird. Da die alternde Kernreaktorflotte auf eine Phase zunehmender Wartungen zusteuert und die Stromerzeugung in dem Bereich zurückgefahren werden soll, müssen Erneuerbare und Gas die dadurch entstehende Lücke füllen.

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