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Chile: Gute Aussichten auf eine grüne Zukunft
Großes Erneuerbaren-Potenzial und günstige politische Rahmenbedingungen beschleunigen chilenische Energiewende

Der chilenische Energiesektor hat in den letzten 20 Jahren viele Wendungen erlebt. Von der Abhängigkeit von Gas, zur Kohle und wieder zurück, scheint das Land nun den fossilen Brennstoffen endgültig den Rücken zu kehren. Denn: Die momentan rasch voranschreitende landesweite Schließung von Kohlekraftwerken ist ein echter Meilenstein für den sich verändernden Strommix des Landes.

Abschied von der Kohle

Der Erneuerbaren-Ausbau in Chile ist in den vergangenen fünf Jahren rasant angestiegen, sodass Kohlekraftwerke nun früher als erwartet vom Netz genommen werden können. Zwei Jahre früher als geplant wird zum Beispiel das Kraftwerk „Bocamina 1“ (128 Megawatt) geschlossen. Gleichzeitig hat der Betreiber „Enel Generación Chile“, der größte Energieversorger des Landes, vor kurzem auch die Schließung des Kraftwerks „Bocamina 2“ (350 Megawatt) für Mai 2022 beantragt. Darüber hinaus wurde das von „AES“ betriebene Kraftwerk „Ventanas 1“ (120 Megawatt) abgeschaltet, für das Kraftwerk „Ventanas 2“ (220 Megawatt) wurde ebenfalls ein Antrag auf Schließung im Mai 2022 gestellt.

Statt der zuvor geplanten acht, rechnet die chilenische Regierung heute mit elf geschlossenen Kohlekraftwerken bis 2024 – mit dem Ziel, 2040 komplett frei von Kohlestrom zu sein.

Keine Rückkehr zum Gas  

 Zusammen mit einem wachsenden Anteil fossiler Brennstoffe, bildet Wasserkraft seit jeher das Rückgrat der chilenischen Stromerzeugung. Bis Mitte der 2000er Jahre wurde Gas noch aus dem Nachbarland Argentinien importiert. Doch wegen der defizitären Gasbilanz des Nachbarlands wandte sich Chile wieder vermehrt der Kohle zu, um sich erst mit dem Beginn von Flüssigerdgas-Importen 2009 zurück zur Gasnutzung zu orientieren. Nach 12-jähriger Unterbrechung nahm Argentinien die Gasexporte nach Chile im Jahr 2018 wieder auf.

Nichtsdestotrotz ist der chilenische Verbrauch fossiler Brennstoffe für die Stromerzeugung seit 2016 gesunken, was direkt mit dem deutlichen Erneuerbaren-Zuwachs zusammenhängt. Zusätzlich zu den zehn Terrawattstunden (TWh) aus Geothermie und Biomasse, lieferten nämlich Wind- und Sonnenenergie 10,9 TWh an Strom. Zusammen mit den aus der Wasserkraft generierten 20,9 TWh, verfehlten die Erneuerbaren damit im Strommix nur knapp die 50 Prozent-Marke. Im Vergleich zum Zeitraum zwischen 2010 und 2018, in dem der aus regenerativen Energiequellen erzeugte Strom 37 Prozent abdeckte, war dies trotzdem eine deutliche Steigerung.

Auch für die Wirtschaft erwies sich der zunehmende Erneuerbaren-Ausbau als wichtiger Faktor: Zwischen 2010 und 2019 betrugen die kumulierten Investitionen 14,8 Milliarden US-Dollar. Der Anteil an den insgesamt installierten Kapazitäten im Land zwischen 2014 und Mai 2020 stieg ähnlich rasant an: Von fünf auf 23 Prozent. Vor allem der rasche Preisverfall bei Wind- und Sonnenenergie und die geografisch günstige Lage sind gute Vorrausetzungen dafür, dass fossile Brennstoffe über kurz oder lang aus dem chilenischen Strommix verschwinden und das Land seine Klimaziele erreichen kann.

Entwicklung der chilenischen Stromerzeugung

Quelle: BP Statistical Review of World Energy, 2020

Günstige geografische Bedingungen

Viel Sonne, viel Wind: Für erneuerbare Energien bietet das Land mit insgesamt 6.000 Kilometern Küstenlänge im Südwesten Südamerikas ideale Voraussetzungen. Die größte Solar-Quelle Chiles liegt im Norden in der Atacama-Wüste, die mit einem Solarstrompotenzial von neun Kilowattstunden pro Quadratmeter (kWh/m2) täglich den weltweit höchsten Wert in dieser Kategorie aufweist. Doch nicht nur dort finden sich gute Stellen zur Gewinnung von Solarenergie: Wirtschaftlich ähnlich wertvolle Standorte mit vielen Sonnenstunden erstrecken sich weit hinunter bis zur im Süden gelegenen Hauptstadt Santiago.

Auch die ausgedehnte Küstenlinie bietet zahlreiche Möglichkeiten für den Bau neuer Onshore-Windanlagen. Ausreichend Platz und hohe Windgeschwindigkeiten von über acht Metern pro Sekunde gibt es dabei nicht nur im Norden – laut dem „Global Wind Atlas“ verzeichnet die südlich gelegene Region Patagonien mit Windgeschwindigkeiten zwischen neun und zehn Metern pro Sekunde regelmäßig die schnellsten Windströme im Land.

Zwar sind die im Norden installierten Solaranlagen perfekt positioniert, um die chilenischen Bergbaubetriebe mit Strom zu versorgen, gleichzeitig sind sie aber auch weit vom wichtigsten Bevölkerungszentrum des Landes, der Hauptstadt Santiago, entfernt. Ohnehin bemerkenswert ist die Form des Landes: Dünn und langgezogen erstreckt sich Chile auf der Karte – während die Entfernung von der Nord- bis zur Südspitze über 4.270 Kilometer beträgt, sind es von Ost nach West im Schnitt lediglich 177 Kilometer.

Und nicht nur das: Auch das chilenische Stromnetzsystem ist ungewöhnlich aufgebaut. Anders als in anderen Ländern, gibt es in Chile kein landesweites Verbundnetz, sondern es existieren mehrere voneinander unabhängige Verbundsysteme: Das „Sistema Interconectado Central“ (SIC) für das Zentrum des Landes, das „Sistema Interconectado del Norte Grande“ (SING) für den Norden, das „Sistema Electrico de Magallanes“ (SEM) und das „Sistema Electrico de Aysen“ (SEA) im Süden. Besonders für die Erschließung der nördlichen erneuerbaren Energiequellen spielten neue Kapazitäten zur Energieübertragung eine wichtige Rolle. Echte Meilensteine für die Entwicklung waren dabei nicht nur die Fertigstellung einer neuen, 700 Millionen Dollar teuren Verbindungsleitung – auch der Bau der 600 Kilometer langen TEN-Leitung der beiden Verbundnetze SING und SIC im November 2017 und die Inbetriebnahme der 753 Kilometer langen Leitung „Polpaico-Cardones“ im Juni 2019 waren von großer Bedeutung.

Denn: Auf dieser Basis können nun die beiden zuvor getrennten Netze gemeinsam als ein einziges System betrieben werden und fungieren jetzt als das „National Electric System“ (SEN), das zurzeit über 90 Prozent der landesweiten Stromnachfrage abdeckt. Diese neuen Verbindungen sorgten für eine reduzierte Netzüberlastung und machten es möglich, dass erneuerbar produzierter Strom in Richtung Süden fließen konnte. Da die Großhandelspreise aufgrund des nur regional überschüssig generierten Solarstroms zu bestimmten Tageszeiten auf null sanken, stiegen gleichzeitig die Preise für die nordchilenischen Stromerzeuger.

Politischer Rahmen

In Chiles lange dereguliertem Strommarkt wurden Erneuerbare durch effektive politische Maßnahmen schon längere Zeit unterstützt. Seit 2013 besteht seitens der Regierung für Energieversorger mit einer Gesamtkapazität von bis zu 200 MW (Megawatt) eine gesetzliche Verpflichtung, bis 2025 20 Prozent der vertraglich fixierten Strommenge aus regenerativen Energieträgern zu generieren.

Darüber hinaus reformierten die politischen Entscheidungsträger 2014 ihr Ausschreibungssystem für die Strombeschaffung, um es den Erzeugern zu ermöglichen, für bestimmte „Zeitblöcke“ zu bieten – ein System, das die Entwicklung der variablen Erzeugung fördern soll. 2017 trat zudem eine CO2-Abgabe in Kraft, die den Treibhausgasausstoß von Kraftwerken mit einer Leistung von 50 MW oder mehr mit fünf US-Dollar pro Tonne bepreist – was ebenfalls dazu beiträgt, dass fossile Energieträger sich immer weniger rentieren und Erneuerbaren große Vorteile bietet.

Laut der im Oktober 2020 veröffentlichten Studie „Decarbonisation Tradeoffs: A Dynamic General Equilibrium Modelling Analysis for the Chilean Power Sector“ (auf Englisch), hatten bis 2019 neue Projekte für den Erneuerbaren-Ausbau mit einem Gesamtvolumen von 33 GW eine Umweltgenehmigung erhalten – mehr als die aktuelle Kapazität des gesamten Stromsystems.

Steigende Ambitionen

Genau dieser Umstand hat die Regierung nun dazu ermutigt, sich noch ehrgeizigere Ziele zu setzen. Das Programm der „Nationalen Energiepolitik 2050“ setzt sich zum Ziel, bis 2035 60 Prozent und bis 2050 70 Prozent der landesweiten Stromerzeugung mit Erneuerbaren Energien zu decken. Das Land steckt zudem große Hoffnungen in eine umfassende Elektrifizierung des Verkehrssektors und strebt bis 2050 einen Anteil von 40 Prozent E-Fahrzeugen und 100 Prozent E-Bussen an. Dies würde einerseits die Stromnachfrage weiter erhöhen und immer mehr Kapazitäten für Erneuerbare erfordern, andererseits auch einen wachsenden Bedarf an Energiespeichern nach sich ziehen.

Darüber hinaus hat die Regierung letzten November eine nationale Strategie für grünen Wasserstoff vorgestellt, die darauf abzielt, die großen Solar- und Windenergieressourcen des Landes auch zur Produktion des Brennstoffs zu nutzen. Das Ziel: Bereits 2025 sollen fünf GW an Elektrolyseur-Kapazitäten aufgebaut und bis 2030 der weltweit billigste Wasserstoff produziert werden. Bis 2040 will man zudem zu einem der drei größten Exporteure von Wasserstoff werden.

Sollten diese Zielvorgaben erreicht werden, würde das Land sein Exportportfolio der globalen Energiewende entsprechend anpassen. Chile ist schon jetzt der weltweit größte Kupferproduzent – ein Rohstoff, der für elektrische Systeme unerlässlich ist – und verfügt über die größten Kupferreserven der Welt. Auch für die E-Auto- und Batterieindustrie spielen die Südamerikaner eine essenzielle Rolle: Sie sind gleichzeitig nicht nur der weltweit zweitgrößte Lithiumproduzent, sondern verfügen auch über die größten Reserven des Metalls.

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