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„Die Erdgasinfrastruktur ist empfindlich“
Andree Stracke, Geschäftsführer im Gasbereich der RWE Supply & Trading, über sensible Strukturen und Preise

Ein Zwischenfall in Österreichischen Baumgarten hat im Dezember 2017 kurzzeitig die Hauptgasleitung nach Italien unterbrochen. Im Interview spricht Andree Stracke, Geschäftsführer im Gasbereich der RWE Supply & Trading GmbH, über sensible Strukturen, sensible Preise – und darüber, wie ein vielfältiger Energiemix beides abfedern kann.

Herr Stracke, wie sensibel ist eigentlich die Erdgasinfrastruktur?

Andree Stracke

Die Erdgasinfrastruktur ist empfindlich. Anders als im Stromnetz wird Gas oft über Tausende Kilometer und länderübergreifend von Erzeugungsquelle bis Abnahmestelle transportiert. Es gibt neuralgische Punkte – wie die Gasverteilerstation in Baumgarten. Über diese beziehen Italien, aber auch Slowenien und Kroatien primär ihr Gas. Wenn solche Verteilerstationen bei ungünstigen Wetterbedingungen ausfallen, kann die Gasversorgung in diesen Ländern gefährdet sein. Kritisch ist auch die Abhängigkeit von wenigen Liefer- und Transitländern, was während der Versorgungskrise durch den Transit durch die Ukraine 2006 und 2009 sehr deutlich geworden ist.

Daher haben Länder mit diversifiziertem Energiemix, wie zum Beispiel Deutschland, einen großen Vorteil. Deutschland ist zwar einer der größten Gasimporteure der Welt, profitiert aber von einem sehr diversifizierten Energiemix mit Kohle, Kernenergie, erneuerbaren Energien und Erdgas.

Kann man Engpässe nicht über entsprechende Speicherkapazitäten absichern?

Engpässe können durch Speicherkapazitäten kompensiert werden. Das tun sie auch insbesondere wenn große Gasmengen gefragt sind beziehungsweise Quellen unerwartet wegbrechen, so wie in Baumgarten. Allerdings kann ein Speicher keinen längeren Engpass auf einer Gastransit-Strecke ersetzen. Darüber hinaus haben einige Länder wenig oder gar keine Speicherkapazitäten und sind dann von den Gassystemen ihrer Nachbarn abhängig.

Bei Erdgas-Versorgungsengpässen kommt es dann auch ganz schnell zu Problemen im Strommarkt, da Gaskraftwerke nicht beliefert werden können. Das kann vor allem im Winter heikel werden, wenn hoher Gasverbrauch für Wärme und eine große Stromnachfrage aufeinander treffen. In Italien wurde in der Folge des Unfalls in Baumgarten intensiv über die große Abhängigkeit der Wirtschaft von Gasimporten diskutiert.

Wie sieht es mit dem Ausgleich durch andere Länder aus? Und: Wie ist die Zusammenarbeit bei der Erdgasversorgung in Europa geregelt?

Es gibt keine einheitliche Security-of-Supply-Regelung, weder auf EU- noch auf nationaler Ebene. Auf diesem Feld gibt es dringenden Handlungsbedarf. Das ist aus meiner Sicht noch die regulatorische Achillesferse des Erdgasmarktes.

Bei höherer Gewalt können die Marktteilnehmer nicht viel tun. In solchen Fällen kann der Netzbetreiber die Lieferung an die Endkunden unterbrechen. RWE arbeitet dann eng mit allen relevanten Übertragungsnetzbetreibern zusammen, um mit dem eigenen physikalischen Gasportfolio die Versorgungssicherheit zu unterstützen. Das haben wir gemeinsam in den wenigen Krisenmomenten in den letzten Jahren immer sehr gut hinbekommen, so dass alle unsere Kunden zuverlässig beliefert werden konnten. Wichtig war hierfür der offene und konstruktive Austausch zwischen allen Gliedern der Wertschöpfungskette, also Handelsmärkten, Speichern, Transport, Großkunden und Gaskraftwerken.

Wie preissensibel ist das Erdgassystem?

Das kommt ganz auf die Situation an. Am Tag der Explosion in Baumgarten, als das Ausmaß des Schadens noch nicht klar, stiegen die Preise insbesondere für Kurzfristlieferungen sehr stark an. Für kurze Momente sahen wir Preissteigerungen mehr als 100 Prozent.

In Italien sind die Preise stärker gestiegen als in Österreich, Tschechien oder Deutschland, da gerade die hohen Gastransporte durch Österreich in Richtung Italien unterbrochen wurden. Als klar wurde, dass der Schaden relativ schnell zu beheben war, gingen binnen Tagen die langfristigeren Preise wieder auf Normalniveau zurück, kurz darauf beruhigte sich das Preisniveau für Kurzfristlieferungen. Das wäre sicherlich nicht geschehen, wenn die Anlage länger ausgefallen wäre.

Die Tage nach dem Unfall waren ein gutes Beispiel dafür, wie Energiepreise auf Angebot und Nachfrage reagieren. Und das kann regional sehr unterschiedlich sein. Es ist jedoch schön zu sehen, dass die Märkte in solchen Fällen liquide sind und funktionieren. Dazu tragen wir bei!

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