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IEA: Erholung nach Corona braucht mehr Fokus auf Erneuerbare
Historischer Einbruch der Energienachfrage: Erneuerbare erweisen sich als widerstandsfähig

Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf die weltweite Energieversorgung? Eine erste Einschätzung gibt die Internationale Energieagentur (IEA) mit dem im April veröffentlichten Report „Global Energy Review 2020“. Als „eine Krise, die nur einmal im Jahrhundert auftritt“ beschreibt die IEA die Covid-19-Pandemie, deren Folgen noch lange nicht absehbar sind. Der Gesundheitssektor, die wirtschaftliche Entwicklung allgemein und die Energiebranche sind für den Rest des Jahres immer noch mit großen Unsicherheiten behaftet.

Eine besonders wichtige Rolle nahmen in der Krise vor allem sichere Netzsysteme ein: Sie halfen entscheidend bei der zuverlässigen Stromversorgung des Gesundheitssektors und dem Ausbau der Telearbeit.

Drohende Rezession

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds wird die Weltwirtschaft infolge der Pandemie voraussichtlich in eine Rezession eintreten und um etwa 3 Prozent schrumpfen. Besonders hart wird es Europa treffen. Die Europäische Kommission schätzt in ihrer Wirtschaftsprognose vom Frühjahr 2020, dass die Eurozone in diesem Jahr um 7,75 Prozent schrumpfen und sich 2021 wieder um 6,25 Prozent erholen wird. Die Auswirkungen werden sich dabei je nach Wirtschaftsform des jeweiligen Landes unterscheiden und dementsprechend in unterschiedlichem Maß auftreten. Polen wird die Krise nach Schätzungen mit einem BIP-Rückgang von 4,25 Prozent voraussichtlich am besten überstehen, während Griechenland mit einem prognostizierten Rückgang von 9,75 Prozent mit viel einschneidenderen Konsequenzen rechnen muss.

Energienachfrage

Laut IEA verzeichneten Länder mit strikten Lockdown-Maßnahmen im April einen Rückgang der wöchentlichen Energienachfrage von 25 Prozent. Im Vergleich dazu sank dieser Wert in Ländern mit nur weniger strikten Ausgangsbeschränkungen um 18 Prozent. Betrachtet man das gesamte EU-Gebiet, so ging die Energienachfrage im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 5 Prozent zurück, bevor im April die vollständigen Lockdowns in Kraft traten. Für das Jahr 2020 wird dabei mit einem Rückgang von etwa 10 Prozent im Vergleich zu 2019 gerechnet: Ein doppelt so hoher Wert wie nach der Finanzkrise von 2009. Laut Bericht wird die Stromnachfrage in der EU von allen Regionen am stärksten sinken. Die IEA begründet dies damit, dass der Dienstleistungssektor eine verhältnismäßig große Rolle in der europäischen Wirtschaft spielt und nicht systemrelevante Dienstleistungen am stärksten von den Covid-19-Maßnahmen betroffen sein werden.

Die Energieträger sind von der sinkenden Nachfrage allerdings sehr unterschiedlich betroffen. Die IEA geht davon aus, dass die weltweite Ölnachfrage über das gesamte Jahr um 9% sinken wird, was etwa 9 Millionen b/d (barrels per day) entspricht. Die Kohlenachfrage könnte um 8% zurückgehen, was hauptsächlich auf eine Reduzierung des Stromverbrauchs um fast 5% zurückzuführen ist. Zudem wird die Gasnachfrage weiter sinken und damit den Rückgang vom ersten Quartal des Jahres (2%) übertreffen.

Widerstandsfähige erneuerbare Energien

Ein Lichtblick ist laut IEA der steigende Verbrauch erneuerbarer Energien. Dies beruht einerseits auf Kapazitätssteigerungen, andererseits auf einer von der Nachfrage unabhängigen Stromproduktion durch Solar und Wind. Diese Energiequellen verbrauchen keinen Brennstoff, liefern konstant Energie und werden in vielen Stromnetzen, insbesondere in Europa, vorrangig ins Netz eingespeist. Je nach Möglichkeit werden sie so als sauberste Energiequellen immer bevorzugt genutzt.

Infolgedessen arbeiten die europäischen Netzsysteme mit viel höheren Anteilen an regenerativ erzeugten Strom als dies normalerweise der Fall wäre. Das ist ein unerwarteter Ausblick darauf, wie der Strommix zukünftig aussehen könnte, wenn sich Europa seinen Klimazielen für 2030 und 2050 nähert.

Die IEA schätzt den diesjährigen Anteil kohlenstoffarmen Stroms im weltweiten Strommix auf 40 %. Aufgrund der proportional höheren Nutzung von Strom aus Erneuerbaren inmitten des Nachfrageeinbruchs wird es in diesem Jahr auch zu einem starken Rückgang der Kohlendioxidemissionen kommen. Die IEA schätzt diesen Rückgang auf fast 8% oder 2,6 Gigatonnen, was die globalen Kohlenstoffemissionen auf ein seit 2010 nicht mehr erreichtes Level senken würde.

Zwar wäre dieser geschätzte Wert sechsmal so groß wie der Rückgang nach der Finanzkrise von 2009. Allerdings warnt die IEA davor, dass der Wiederanstieg der Emissionen nach früheren Krisen wieder stärker ausfiel als der ursprüngliche Rückgang.

Welche Zukunft steht uns bevor?

Jede zurzeit getroffene Prognose wird im selben Atemzug von einer großen allgegenwärtigen Unsicherheit überschattet. Insbesondere für den Fall einer zweiten Viruswelle, die im Herbst zu weiteren Einschränkungen führen könnte. Die IEA beschreibt dabei zwei mögliche Szenarien: Eine „U“- oder „V“-förmige Erholung, d.h. schnell oder langsam. Eine U-förmige Erholung würde eine relativ schnelle Rückkehr der Nachfrage nach allen Energieträgern bedeuten, während eine V-förmige Erholung weiterhin erneuerbare Energiequellen gegenüber traditionellen Brennstoffen bevorteilen würde.

Bei der Frage, ob es infolge der Pandemie zu dauerhaften Änderungen bei der Energienachfrage und dem Energieangebot kommen wird, wird sich der Energiesektor laut IEA nach der überstandenen Krise „deutlich von jenem vor der Krise unterscheiden“. Um das künftige Wirtschaftswachstum auf einer nachhaltigeren Basis zu gestalten, rät die IEA Ländern dazu in Zukunft vermehrt in saubere Technologien zu investieren. Dies sei umso wichtiger, da viele Länder derzeit dazu gezwungen sind ihre finanziellen Ressourcen zur Abwendung der Folgen einer kommenden Rezession neu zu kalkulieren.

Schwerpunkte

Die IEA hebt bei ihrer Analyse drei Bereiche besonders hervor: Wasserstoff, Batterien und Energieeffizienz. Sowohl Wasserstoff als auch Batterien sind wichtige Erneuerbare und abhängig von Kapazitätserweiterungen. Sie helfen nicht nur maßgeblich beim Ausbau der E-Mobilität und der Abkehr von fossilen Brennstoffen, sondern ermöglichen auch eine ausbalancierte Einspeisung von Erneuerbaren in das Stromnetz. Laut IEA werden zudem Unternehmen mit einem Fokus auf erneuerbare Energien finanziell am stärksten aus der Krise hervorgehen. Dies sei hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass von fossilen Brennstoffen abhängige Unternehmen sowohl unter niedrigeren Rohstoffpreisen als auch unter geringeren Verkaufsvolumen leiden werden.

Sowohl die aktuell geringe Nachfrage als auch die veränderten Sozial- und Arbeitsbedingungen lassen eine zuverlässige Prognose zurzeit schwierig erscheinen. So bleibt nur abzuwarten, ob sich der Übergang zu mehr sauberen Strom als nur vorübergehend oder langfristig erweist.

Bildnachweis: © IEA

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