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Technologieführer Schweden legt bei CO2-freiem Stahl nach
"H2 Green Steel" will Eisen klimaneutral zu Stahl verarbeiten. Ein neues Werk soll die Massenproduktion ermöglichen

Das Start-up Northvolt sorgt mit Plänen, eine besonders nachhaltige Batterieproduktion in Schweden aufzubauen, seit Mai 2018 international für Schlagzeilen. Jetzt haben die Skandinavier das nächste Ziel vor Augen: „Die Elektrifizierung war der erste Schritt zur CO2-Reduktion im Transportsektor“, erklärte Carl-Erik Lagercrantz. „Der zweite Schritt ist, Fahrzeuge aus hochwertigem, emissionsfreiem Stahl herzustellen.” Lagercrantz ist Mitgründer und Vorstandsvorsitzender der Vargas Holding. Sie war eine treibende Kraft bei der Gründung von Northvolt und gehört zu den größten Anteilseignern. Jetzt will die Vargas Holding mit dem neu gegründeten Konsortium „H2 Green Steel“ in die Produktion von „grünem“ Stahl investieren – und zwar in ganz großem Stil.

Wasser anstatt Treibhausgas

Ähnlich wie in der Zementherstellung können die Emissionen der Stahlproduktion nicht einfach durch Elektrifizierung gesenkt werden. Denn die Kohle spielt eine wichtige Rolle im chemischen Prozess bei der Umwandlung von Eisenerz in Stahl.

Überall in Europa testen Unternehmen alternative Produktionsverfahren. Dabei wird dem Eisenerz der Sauerstoff nicht mehr mit Kohlenstoff, sondern mit Wasserstoff entzogen. Statt CO2 entsteht dann H2O – also Wasser statt Treibhausgas. Wirklich „grün“ ist der Stahl natürlich nur, wenn dafür auch grüner Wasserstoff verwendet wird, der zum Beispiel mithilfe von Strom aus erneuerbaren Quellen per Elektrolyse gewonnen werden kann.

Herzstück ist ein gewaltiger 800 Megawatt Elektrolyseur

Eine solche Produktionsanlage will H2 Green Steel nun komplett auf der grünen Wiese errichten. Bereits 2024 soll der erste grüne Stahl die Anlage verlassen. Ab 2026 will H2 Green Steel dann 2,5 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr produzieren, ab 2030 sogar fünf Millionen Tonnen. Zum Vergleich: In Duisburg, Europas größtem Stahl-Standort, produzieren die Hütten jährlich rund zwölf Millionen Tonnen Stahl – herkömmlichen, versteht sich.

Zur Versorgung mit grünem Wasserstoff soll das Werk von H2 Green Steel seinen eigenen Elektrolyseur erhalten, der den gesamten Bedarf decken soll: Mit einer geplanten Leistung von 800 Megawatt (MW) will H2 Green Steel hier in eine neue Dimension vorstoßen. Bisherige Elektrolyseure arbeiten im niedrigen zweistelligen Megawattbereich. Europäische Energieunternehmen planen bis Mitte des Jahrzehnts, Anlagen in der Größenordnung von 100 MW zu betreiben. Das schwedische Projekt gehört damit zu den größten Vorhaben zu grünem H2 weltweit.

Neben Vargas ist auch das schwedische Private-Equity-Unternehmen Altor von Vargas-Mitgründer Harald Mix mit an Bord. Weitere Partner sind unter anderem der schwedische Nutzfahrzeugbauer Scania, der Hagener Stahlkonzern Bilstein Gruppe und der Anlagenbauer SMS-Group aus Düsseldorf sowie.

Emissionsneutralität ganzheitlich gedacht

Ziel von H2 Green Steel sei es, die Nachhaltigkeit in der Stahlproduktion ganzheitlich zu denken, erklärte Maria Persson Gulda, Chief Project Officer und Chief Technical Officer von H2 Green Steel Um den Energiebedarf möglichst niedrig zu halten, werde etwa der erzeugte Stahl – im Unterschied zu herkömmlichen Verfahren – unmittelbar nach der Herstellung gewalzt, ohne ihn zwischendurch erkalten zu lassen.

Die Abwärme aus dem Werk werde in das lokale Fernwärmenetz fließen. Das gesamte Verfahren werde zudem fortlaufend durch künstliche Intelligenz optimiert.

Nordschweden der ideale Standort?

Die Wahl des Standorts im abgelegenen Nordschweden ist kein Zufall: Luleå ist über die „Erzbahn“ mit der Bergbaustadt Kiruna verbunden, deren gleichnamige Eisenerzmine zu den größten der Welt gehört. Die dafür angelieferte Kohle und die Verschiffung von Eisenerz und Stahl haben den Hafen von Luleå nach dem von Stockholm zum zweitgrößten an Schwedens Ostküste gemacht.

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts wird hier Stahl gekocht. „Die Region ist wirklich das Bergbau- und Metall-Mekka von Schweden“, sagte Harald Mix, der zusammen mit Vargas-CEO Lagercrantz den Verwaltungsrat von H2 Green Steel bildet. Entsprechend groß sei die Expertise der Arbeitskräfte.

Standortfaktor erneuerbare Energie

Für den Standort sprächen aber noch weitere harte Faktoren, erklärte Mix, nicht zuletzt, dass das anvisierte Areal in der Gemeinde Boden über den nötigen Platz verfüge. Denn das geplante Werk werde mehr als einen Kilometer lang sein. Zudem verfüge die Fläche über einen direkten Anschluss an eine Höchstspannungsleitung mit 400 Kilovolt. Über ihn soll das Werk an die erneuerbaren Energiequellen Nordschwedens angeschlossen werden.

Allein in Norbotten erzeugen 15 Wasserkraftwerke Elektrizität, darunter sieben der neun größten in Schweden. Kaum 100 Kilometer südlich entsteht derzeit der Windkraftpark Markbygden, der einmal der größte Onshore-Windpark Europas sein soll. Die derzeit im Bau befindliche erste Ausbaustufe soll nach Fertigstellung eine Kapazität von 963 MW haben, insgesamt sollen hier einmal Windräder mit einer Gesamtleistung von 3.600 MW Strom erzeugen. Nach aktuellen Plänen könnten Wind- und Wasserkraft in Norrbotten pro Jahr rund 25 Terawattstunden Strom erzeugen. Das entspricht etwa einem Sechstel des schwedischen Stromverbrauchs.

Finanzierung für Nachhaltigkeit

Die erste Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro, heißt es bei H2 Green Steel, sei beinahe abgeschlossen. Insgesamt werde das Projekt 2,5 Milliarden Euro kosten. Neben der US-Investmentbank Morgan Stanley und der französischen Societé General gehört auch die deutsche KfW IPEX-Bank zu den Finanzberatern des Unternehmens. Zu den Investoren der ersten Runde gehören neben dem Spotify-Gründer Daniel Ek auch die IKEA-nahe IMAS Foundation und das EU-Unternehmen EIT InnoEnergy.

Nicht nur in Schweden müssen die CO2-Emissionen der Stahlproduktion drastisch sinken, wenn die Welt ihre Klimaziele erreichen will: Die Herstellung von Rohstahl machte im Jahr 2018 5,4 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen aus. Nach Zahlen der Internationalen Energieagentur IEA kamen 75 Prozent der dabei verbrauchten Energie aus Kohle.

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