Das Bild zeigt den Bau der Windturbinen des Windparks Kaskasi.
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Europas Windturbinenhersteller in der Zwickmühle
Zunehmende Kosten und erhöhter Wettbewerbsdruck setzen Europas Windenergieproduzenten zu

Europa hat sich sehr hohe Ziele für den Ausbau der Windenergie gesetzt. Das hängt vor allem damit zusammen, dass politische Entscheidungsträger zunehmend auf diese Technologie setzen, um nachhaltige und lokal erzeugte Energie zu liefern.

So sieht beispielsweise der REPowerEU-Plan – eine Reaktion der EU auf den Einmarsch Russlands in die Ukraine – vor, bis 2030 jährlich zusätzliche 30 Gigawatt (GW) an Windkraft-Kapazität zu errichten. Dadurch erhöht sich das Gesamtziel auf 480 GW. Gegenwärtig liegen die Windkraftkapazitäten bei insgesamt 190 GW. Auch das Ziel für den Ausbau der Offshore-Windenergie des Vereinigten Königreichs wurde von 30 GW zunächst auf 40 GW und jetzt auf 50 GW erhöht. Wesentliche Faktoren waren hier ein wachsendes Bewusstsein für den Klimawandel sowie Bedenken hinsichtlich der Energie-Versorgungssicherheit.

Daraus könnte man schließen, dass europäische Windturbinenhersteller, auch als Erstausrüster (OEMs) bekannt, sich in einer Boomphase befänden. Allerdings ist das Gegenteil der Fall: Einige der größten Unternehmen in diesem Sektor haben in den letzten zwei Jahren sowohl in Europa als auch in den USA angekündigt, Arbeitsplätze abzubauen und Fabriken zu schließen (Link in Englisch) – und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die politischen Ziele einen Ausbau der Produktionskapazitäten nahelegen.

 

Steigende Preise für Baumaterial

Wie steht es nun also um die europäischen OEMs? Sie befinden sich in einer Zwickmühle. Um die Ausbauziele zu erreichen, müssen mehr Windturbinen produziert werden. Das erweist sich allerdings als schwierig. Ein Grund dafür sind steigende Preise für das benötigte Material.

So hat zum Beispiel der Preis für Stahl, der ein wesentlicher Bestandteil von Windtürmen ist, im September 2021 ein Rekordhoch erreicht: 1.725 US-Dollar pro Tonne, basierend auf Termingeschäften für warmgewalzte Coils. Zwar erholte sich der Preis danach. Die Unterbrechung russischer und ukrainischer Roheisenexporte ließ ihn am 22. März 2022 allerdings wieder auf ein Hoch von 1.661 US-Dollar pro Tonne steigen.

Neben Stahl ist auch Zement wichtig für den Bau von Windturbinen. Es wird für das Fundament der Türme benötigt. Der Preis für den Werkstoff ist ebenfalls stark angestiegen. Das hängt auch mit höheren Energiekosten zusammen. Eine ähnliche Entwicklung ist bei weiteren wichtigen Baustoffen wie Glasfasern, Kupfer und Aluminium zu beobachten. Viele Basismetalle haben Rekordpreise erreicht.

Wettbewerbsdruck und Nachfrageklarheit

Doch es bleibt nicht nur bei zunehmenden Kosten für Baumaterial. Entwickler von Windparks sind einem stärker werdenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Welcher Mechanismus steckt dahinter?

Entwickler tendieren immer stärker dazu, Kapazitätsrechte zu erwerben. Das tun sie zumeist in Auktionen. Diese finden zum Beispiel im Rahmen des britischen „Contracts for Difference“-Programms zur Förderung grüner Energieprojekte statt. Um dort mithalten zu können, müssen die Entwickler die günstigsten Anbieter finden. Nur so können sie wettbewerbsfähige Angebote machen. Dadurch erhöht sich jedoch der Preisdruck (Link in Englisch) in der Lieferkette.

Für die Hersteller kann das eine zusätzliche Belastung darstellen: die Auktionsverfahren steuern zwar die Nachfrage indem politische Entscheidungsträger die zu vergebenden Kapazitäten festlegen. Jedoch sind sowohl das Volumen als auch der Zeitpunkt schwer vorherzusagen. Bleibt die Nachfrage aus, kann es passieren, dass die Produktionsstätten der Hersteller, die in ihre Fabriken investiert haben, leer stehen. Um das zu vermeiden und den Cashflow aufrechtzuerhalten, produzieren einige Hersteller zeitweise sogar mit Verlust (Link in Englisch).

Wettbewerb, Globalisierung und Energiesicherheit

Für Auktionen zur Kapazitätsvergabe gibt es dennoch gute Gründe: Sie führen in der Regel zu effizienten Ergebnissen. So können die Kapazitäten zu den niedrigsten Kosten bereitgestellt werden, was wiederum dem Staat und längerfristig auch den Verbrauchern das beste Angebot sichert.

Der so erzeugte Wettbewerbsdruck war seit der Einführung ein wichtiger Faktor für die Kostensenkung in der Windenergie. Onshore-Windkraft ist jetzt deutlich günstiger als fossile Brennstoffe und viele neue Offshore-Windkraftprojekte werden ohne Subventionen realisiert.

Was bedeutet es aber für die Anlagenhersteller, wenn sie in diesem hart umkämpften Markt überleben wollen? Sie müssen ständig nach Möglichkeiten suchen, ihre eigenen Produktionskosten zu senken. Das führt dazu, dass sie zunehmend die Produktion in kostengünstigere Regionen der Welt, wie zum Beispiel Asien, auslagern. Die Suche nach niedrigeren Kosten treibt somit die Globalisierung von Lieferketten voran, wodurch immer mehr Standard-Komponenten, wie Metallwaren für die Windkrafträder, aus dem Ausland stammen.

Vor diesem Hintergrund lässt sich die Frage stellen, was Energiesicherheit wirklich heißt: Ist es einfach die Fähigkeit, Windturbinen zur Energieerzeugung im Inland zu installieren? Oder das Vorhandensein einer vollständigen Lieferkette, in der alle erforderlichen Rohstoffe und Komponenten lokal bezogen werden? Im ersten Szenario profitieren die europäischen Stromverbraucher von niedrigen Kosten. Das zweite hingegen bietet mehr Arbeitsplätze und mehr Energiesicherheit.

Eine „unhaltbare“ Situation

Es gibt also für jede Partei Vorteile. Nichtsdestotrotz bezeichnete eine Reihe führender Erstausrüster auf der Konferenz WindEurope 2022, die Anfang April in Bilbao (Spanien) stattfand, die derzeitige Situation als „unhaltbar“.

Der Vorsitzende von WindEurope, Sven Utermöhlen, der auch Geschäftsführer von RWE Renewables im Bereich Offshore-Wind ist, forderte ein Umdenken bei den Auktionsverfahren. Anstatt die Kapazitäten allein nach dem Preis zu vergeben, sollten sie den Wert widerspiegeln, den ein Gebot für die europäische Wirtschaft und das Energiesystem im weiteren Sinne hat, sagte er.

Der Präsident des spanischen Windenergieverbands, Juan Diego Diaz, forderte ebenfalls eine Änderung der Auktionsprioritäten (Link in Englisch). Er wies darauf hin, dass Auktionen so gestaltet werden könnten, dass 30 Prozent des Zuschlags auf andere Kriterien als den Preis entfallen.

Dass es bei der Energieversorgung um mehr als den Preis geht machen sowohl der Klimawandel als auch die Energiesicherheit deutlich. Gebote in Auktionen lassen sich anhand verschiedener Kriterien bewerten und die Erschwinglichkeit ist zweifellos wichtig. Sie sind aber eben nicht alles.

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